Seit über zwanzig Jahren schreibe ich auch Gedichte und andere kurze Texte. Eine kleine Auswahl finden Sie hier:
Ich ward Feder und Tinte
Als ich dich traf, ward ich eine Metapher
Wurde vom Menschen zur Sprache
Legte mich in jedes einzelne Wort
Ich ward Feder und Tinte
Wahrheit und Lüge
Ein Kapitel in deinem Buch
Ich ward die Randnotiz irgendwo auf Seite dreihundertvierzehn
Das Eselsohr wo dir das Buchzeichen fehlte
Ein kleiner Knick in deinem Einband
Ich ward der rote Faden, der sich durch dich hindurch zieht
Der Kaffeefleck, der niemals mehr ausgeht
Die Zeit, die nur langsam zerrinnt
Und du?
Wurdest mir zur liebsten Tautologie
Im Augenblick des Moments
Warst du alle sechzig Minuten in meiner Stunde
Du wurdest das Helle im Licht
Die erste Sekunde am Tag, der anbricht
Die Illusion in meinem Traum
Du wurdest mein ein und mein alles
Ein Immer und Ewig
Das Wenn und das Aber
Du wurdest das Dunkle der Nacht
Das Nie und Nimmer
Eine Pause in meinem Schweigen
So kam es denn
So kam es denn
Das Au Revoir
Ganz absehbar
Es kam und ging
Das Aus, Vorbei
Ohne grosse Litanei
So kam es denn
Das Ende
Erstaunlich behände
Es kam wie es musste
Das Adieu
So peu à peu
Dass wir
Ein Funkeln
Irgendwo im Dunkeln
Komm, lass uns zusammen schmunzeln
Man munkelt nämlich ganz absonderlich
Dass wir zwei beide, du und ich
Ein Schimmern
Irgendwo im Hitzeflimmern
Komm, lass uns ein Geheimnis zimmern
Man munkelt nämlich ab und zu
Dass wir zwei beide, ich und du
Ein Glimmen
Irgendwo im Kann-es-stimmen
Komm, lass uns die Lichter dimmen
Man munkelt nämlich allerlei
Dass wir, dass du und ich, wir zwei
Oder?
Denk! Es wäre ein Wagnis
Einfach mal nichts tun
Vielleicht. Nur darf man das denn?
Denk! Man könnte ja meinen
Man wolle gar nicht
Womöglich. Oder geht sowas doch?
Denk! Es wäre doch schön
So kurz einmal länger für sich
Wahrscheinlich. Oder wäre das peinlich?
Denk! Einer könnte ja sagen
“Was glaubst du, wer du bist?”
Mist. Und dann müsste man’s wissen
Denk! Das wäre doch was
Einfach mal nichts tun
Ja, schon. Morgen vielleicht
Was ich meine
Ist es meine Wahrheit, die dich ärgert, oder deine?
Gelten beide oder keine?
Weisst du, was ich meine?
Es gibt nicht immer nur das eine
Wessen Lüge glaubst du, meine oder deine?
Schmerzen beide oder nur die eine?
Ja, du weisst wohl, was ich meine
Es gibt nur beide oder keine
Nicht das Wasser
Was stillt ein schlechtes Gewissen
Im Laufe der Zeit?
Wie lebt es sich mit all dieser Wahrheit
Die uns angeblich befreit
Wo bleibt die Wut in all ihrer Klarheit?
Wessen Blut ist es, das schreit?
Es ist nicht der Acker, der weint
Nicht das Stroh, das sich beugt
Es ist die Peitsche, die knallt
Die stumme Pein, die nie mehr verhallt
Ein Leben, seines Ursprungs entrissen
Ein Beben, das jedes Hoffen verneint
Wessen Unschuld wird am liebsten bezeugt
Im Laufe der Zeit?
Wie lebt es sich mit diesem unangetasteten Glauben
Dem so viele Lämmer geweiht?
Wo bleiben die huldvollen Tauben?
Wer ist es, der am Ende verzeiht?
Es ist nicht das Wasser, das kocht
Nicht das Brennholz, das sich verbiegt
Es ist der Riemen, der beisst
Das Kind, das verwaist
Ein Leben, das langsam versiegt
Ein Herz, das nur äusserlich pocht
